Osen Design
Die Thesis analysiert bestehende Systeme und sucht darauf aufbauend nach grundlegend neuen Ansätzen. Erklärtes Ziel ist, einen Paradigmenwechsel in der Bedienung Mobiler Kommunikationsgeräte anzubieten.
Um zu spüren, wo die eigentlichen Probleme der Interfaces heutiger Kommunikationslösungen begründet liegen, ist es nützlich, den Blick kurz über den Bildschirmrand hinaus streifen zu lassen.
Interface Design bedeutet, Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine zu gestalten. Ziel ist eine möglichst natürliche Bedienbarkeit technischer Geräte — die Maschine ist dem Menschen anzupassen.
Die Inkonsistenz heutiger Interfaces ist in vielen Fällen historisch zu erklären. Konvergenz lässt Geräte aufeinandertreffen, die vor einiger Zeit nur in isolierten Bereichen existierten.
Am Referenzdesign IO werden einige grundlegende Methoden des Universellen Interface vorgestellt. Gezeigt wird die grundlegende Struktur sowie einige universelle Gesten anhand von Beispielen.
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Making of IO. Unkonventionelle Ideen brauchen Platz, Zeit und Sonne...

„Die Leistungen von Martin Osen […] überzeugen durch ihre Perfektion.
Seine wissenschaftliche und praktische Auseinandersetzung mit den neuen Technologien in der Mobilkommunikation stellen eine vorbildliche Verbindung von gestalterischer Kreativität und technischem Know-how dar.“

Laudatio zum "Bildungsoscar"

Noch Fragen? io@osen.at

IO — Improving Communication. Angesichts der Phalanx immer intelligenter werdender Geräte fühlt sich der zum Benutzer degradierte Mensch immer dümmer — diesmal völlig zu unrecht. Er sieht sich genötigt, mit Zifferntasten, die vor einem halben Jahrhundert zur Eingabe kurzer Ziffernfolgen entwickelt wurden, Textnachrichten zu verfassen. So etwas heißt zurecht killer feature.

IO stellt einen neuen Ansatz in der Bedienung mobiler Kommunikationsgeräte dar, um so mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. IO ist der Idealentwurf eines Interface und Design-Philosophie zugleich. Bekannte Interfaces werden in ihre Bestandteile zerlegt und von Grund auf hinterfragt. Unabhängig von der Hardware wird das ideale Interface aus einem Set intuitiver Gesten für jeweils vergleichbare Aktionen zusammengesetzt.

Die zugrundeliegende Thesis wurde im Juli 2002 veröffentlicht und seither mehrfach ausgezeichnet.

Gesten ist morgen. Das Kommunikationsgerät von morgen lässt sich mit wenigen simplen Gesten benutzen. IO reichen 6 (in Worten: sechs) Gesten für alle seine Funktionen.

Hierarchien und Menüstrukturen sind weitgehend abgeschafft. IO ist wie ein Notizzettel stets bereit für seine Verwendung, ohne dass zuerst Funktionen in Menüs gesucht werden müssen.

Hello? Dick Tracy? Ein erstes Referenzdesign zeigt das Potential von IO. In der Größe einer Armbanduhr sind Funktionen herkömmlicher Geräte (Mobiltelefon und PDA) integriert. IO macht dies zum ersten Mal möglich, vor allem aber unerhofft einfach. Zunächst fallen die völlig fehlenden Tasten und Knöpfe auf. Sie werden durch einen universellen Ring ersetzt, der sich drehen, drücken und schieben lässt. In ihn eingebettet liegt das runde, einseitig transparente Display, dahinter eine Kamera — die Gesprächspartner sehen sich so direkt in die Augen. Sogar auf eine verwirrende Tastensperre konnte verzichtet werden — der Ring wird einfach zugeschraubt und lässt sich nicht mehr bewegen. Was hätten Sie erwartet?

Universelles Interface. Endlose Möglichkeiten. Die strikte Trennung des Interface von IO in eine Struktur- und eine Hardwareebene ermöglicht die universelle Anwendung der vorgestellten Prinzipien. Ein Set von Aktionen und zugehörigen Gesten kann auf jedes denkbare Hardwaredesign umgelegt werden, bis hin zu Bewegungssensoren an den Fingern oder eye gaze tracking. Ob eine Aktion durch Drücken einer Cursortaste oder eben durch einen Blick in die entsprechende Richtung ausgelöst wird — das zugrundeliegende Modell bleibt das selbe.

Neben der Mobilen Kommunikation bieten sich vor allem im Automobil- und Entertainmentbereich interessante Perspektiven.

  Im Juli 2002 schätzte ich eine Realisierbarkeit von IO in den nächsten zwei bis drei Jahren als möglich ein. Was hat sich seither bewegt?
  Apple patentiert eine Kombination aus Display und Kamera und spricht von mobilen Geräten und Videochats, bei denen sich die Teilnehmer direkt in die Augen schauen — IO hatte (2002) ähnlich gute Ideen. (Jänner 2006)
Philips/Nike PSA 610  
  Philips/Nike stellen neue MP3-Player vor, deren Formfaktor mir bekannt vorkommt. (Februar 2005)
Character Pump [patent pending]
  Character Pump, entwickelt und patentiert von Georg Michelitsch, Stefan Rapp und mir, wird erstmals vor Fachpublikum präsentiert. Texteingabe mittels Gesten erreicht eine neue Dimension. (Juni 2004)
  E-Ink, Philips und Sony kündigen die erste kommerzielle Anwendung von Electronic Paper an. (März 2004)
Fluid lens  
  Fluid lenses basieren auf der Funktionsweise des menschlichen Auges, erfahren wir auf der CeBIT von Philips Research. (März 2004)
  Origami Autofocus, ein weiterer hochinteressanter Ansatz für fokussierbare Minilinsen. (September 2003)
  Nokia Fun Camera — simple Bedienung, rundes Design und runde Fotos (!) bedeutet Fun, meint Nokia. Nach der Lektüre von IO wirkt das alles sehr vertraut. (August 2003)
Nokia 3650  
  Das Nokia 3650 zeigt, dass die Thesen von IO nichts von ihrer Brisanz verloren haben. Ein neues Ziffernlayout treibt die User reihenweise in den Wahnsinn. Ich hatte genau dieses Ziffernlayout skizziert — es war als dummer Scherz gedacht. Finnen scheinen einen besonderen Humor zu haben. (September 2002)